Von Bruder Gisbert Sander, Freimaurerloge „Zum hellen Licht“ Nr. 169 i. O. Hamm

Hamm/Bradford. 45 Jahre Logenpartnerschaft, ein gemeinsames Gedenken und viele leise Gespräche zwischen alten Mauern: Eine Reise nach Bradford zeigt, wie freimaurerische Freundschaft über Jahrzehnte wächst – getragen von Erinnerung, Verlässlichkeit und britischem Understatement.

Bradford empfängt seine Besucher nicht mit Glanz, sondern mit Charakter. Grauer Naturstein, viktorianische Fassaden, sanft geschwungene Hügel am Rand der Stadt – Yorkshire zeigt sich hier rau, ehrlich und unaufgeregt. Zwischen ehemaliger Industriemetropole, Rathaus mit Weltformat und stillen Wohnstraßen liegt eine Atmosphäre, die nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt, sondern sie sich mit der Zeit verdient.

In dieser Stadt, in der Wandel und Erinnerung dicht beieinanderliegen, ist auch die „Lodge of Hope“ seit Generationen verwurzelt. Kein Ort für große Gesten – aber einer für Beständigkeit.

45 Jahre gelebte Partnerschaft

Gleich zwei Gründe führten Mitglieder der Freimaurerloge „Zum hellen Licht“ Nr. 169 i. O. Hamm nach Bradford. Im Mittelpunkt stand das 45-jährige Bestehen der Partnerschaft mit der Loge „Lodge of Hope“ Nr. 302 i. Or. Bradford – eine Verbindung, die über Jahrzehnte hinweg verlässlich gepflegt wurde.

Seit nunmehr 45 Jahren besuchen sich die Brüder beider Logen regelmäßig. Die Freimaurer aus Bradford reisen zumeist im Juni nach Hamm, um am Johannisfest und dem damit verbundenen zeremoniellen Wechsel der Beamten teilzunehmen. Umgekehrt führt der Weg der Hammer Brüder traditionell am letzten Novemberwochenende nach Bradford.

Diese Regelmäßigkeit hat Freundschaften entstehen lassen, die weit über formale Logenbeziehungen hinausgehen. Auch jüngere Brüder, die erst später zur Freimaurerei gefunden haben, tragen die Partnerschaft weiter, nachdem die Gründungsväter teils verstorben sind. Eine besondere Qualität erhält der Austausch dadurch, dass die Gäste – häufig gemeinsam mit ihren Ehepartnerinnen – privat bei Brüdern der Partnerloge wohnen. Aus Gastgebern werden Freunde, aus Freunden nicht selten ein Stück Familie.

Gemeinsames Gedenken – ohne große Worte

Der zweite Anlass der Reise war ein stiller und ernster. Vertreter beider Logen legten Blumengebinde am Denkmal für die Opfer der Brandkatastrophe im Fußballstadion Valley Parade nieder. Das Gedenken war bewusst schlicht gehalten – ohne Reden, ohne Inszenierung, aber mit sichtbarer Verbundenheit.

Besondere Bedeutung erhält dieser Ort auch durch die gemeinsame Geschichte von Bradford und Hamm. Zwei identische Denkmale stehen heute vor dem historischen Rathaus in Bradford und am Rathaus in Hamm. Gestaltet wurden sie vom Hammer Künstler Jockel Reisner, der Mitglied in beiden Logen war und vor zweieinhalb Jahren verstarb. Gemeinsam mit seiner Frau Joyce, gebürtig aus Bradford und heute in Hamm lebend, gehörte er zu den prägenden Kräften der Städte- wie auch der Logenpartnerschaft.

So verband sich das Jubiläum der freimaurerischen Freundschaft mit einem Moment des Innehaltens – ruhig, würdevoll und ganz im Sinne britischer Zurückhaltung.

 

Die Brandkatastrophe von Bradford 1985

Am 11. Mai 1985 kam es im Fußballstadion Valley Parade in Bradford während eines Ligaspiels zu einer der schwersten Stadionkatastrophen der britischen Sportgeschichte. Ein Feuer, vermutlich ausgelöst durch eine achtlos weggeworfene Zigarette, breitete sich innerhalb weniger Minuten unter der hölzernen Haupttribüne aus. Die Konstruktion aus Holz und angesammeltem Müll wirkte wie ein Brandbeschleuniger. 56 Menschen kamen ums Leben, 265 wurden verletzt. Viele Opfer hatten kaum Fluchtmöglichkeiten, da Notausgänge unzureichend waren. Der Katastrophe knapp entronnen war damals auch eine offizielle Delegation der Stadt Hamm.Die Tragödie führte in Großbritannien zu tiefgreifenden Reformen der Stadionsicherheit: Holztribünen verschwanden, Brandschutzauflagen wurden verschärft, Fluchtwege neu konzipiert. Die Denkmale in Bradford und Hamm erinnern bis heute an die Opfer – und mahnen, dass Sicherheit im Sport Ergebnis von Verantwortung ist, nicht von Selbstverständlichkeit.