Von Bruder Franciscus Stokkel – Redaktionelle Aufbereitung: Jürgen Herda
Ein Hilferuf aus Deutschland, gehört in den USA. Eine Bruderkette über Kontinente hinweg. Und ein Scheck, der mehr bedeutet als Geld: gelebte Freimaurerei in ihrer reinsten Form. Bruder Franciscus Stokkel berichtet von einer bewegenden Erfahrung – und erinnert daran, wozu wir fähig sind, wenn wir das Band der Menschlichkeit ernst nehmen.
Mein Name ist Franciscus Stokkel. Seit 1994 bin ich Bruder der Loge „Alfred zur Linde“ im Orient Essen sowie Mitglied der Ashlar Lodge No. 89 in St. Augustine, Florida. Aufgewachsen in den Niederlanden, heute wohnhaft in den USA, habe ich die Freimaurerei stets als verbindendes Element erlebt – jenseits von Sprache, Herkunft oder Nation.
Was ich jedoch kürzlich erleben durfte, ging über alles hinaus, was ich bisher für möglich hielt. Es begann mit einem Hilferuf aus dem Orient Hagen: Ein junger Mann, schwer erkrankt an ME/CFS in Verbindung mit POTS – einer kaum erforschten Krankheit –, und eine Familie am Rande ihrer Kräfte.
Die Kette wird lebendig
Ein Bruder aus Bergisch Gladbach brachte den Fall in aller Schlichtheit zur Sprache – ohne Pathos, aber mit einem Appell an unsere Pflicht. Ich leitete die Nachricht in meine amerikanische Loge weiter.
Es dauerte keine 48 Stunden, bis Ashlar Lodge No. 89 einstimmig beschloss: Wir helfen.
Ohne den Jungen zu kennen. Ohne je in Deutschland gewesen zu sein. Aber mit dem Wissen: Hier geht es um einen Bruder – und um ein Kind in Not. Ein Scheck über 1.000 US-Dollar wurde ausgestellt. Nicht, weil jemand es verlangte. Sondern weil es selbstverständlich war.
Zwei Kulturen – eine Idee
In Europa ist Freimaurerei oft philosophisch geprägt, konzentriert auf innere Entwicklung. In den USA hingegen – besonders in den Südstaaten – steht die karitative Arbeit im Zentrum: Täglich fließen rund drei Millionen Dollar in wohltätige Zwecke durch maurerische Hände.
Meine Loge spendet jährlich über 80.000 US-Dollar. Doch diese konkrete Hilfe – jenseits jeder Routine – war mehr als karitatives Engagement. Sie war gelebte Bruderschaft. Nicht als Formel. Als Wirklichkeit.
Warum ich Freimaurer bin
Ich habe als freiwilliger Helfer in Kriegs- und Katastrophengebieten wie dem Libanon, Bosnien, dem Kosovo oder Kroatien mitgewirkt – und wurde dafür mit dem Master Hiram Award geehrt, einer der höchsten Auszeichnungen der libanesischen Großloge. Doch das, was mich immer wieder antreibt, ist keine Auszeichnung. Es ist das Licht.
Nicht das Licht des Rituals allein. Sondern das Licht, das in einer ausgestreckten Hand liegt. Im stillen Handeln. In einer Antwort auf einen Ruf.
Möge dieses Licht auch für Max leuchten – und für alle, die in der Dunkelheit auf Hilfe hoffen.
Hilfe für Max – ME/CFS verstehen und handeln
Die Erkrankung ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), oft in Verbindung mit POTS (posturales Tachykardiesyndrom), zählt zu den am wenigsten erforschten, aber am stärksten einschränkenden Krankheiten. Betroffene leiden unter extremer Erschöpfung, Kreislaufproblemen und neurologischen Symptomen – oft bei fehlender Anerkennung durch Behörden und Gesellschaft.
Der Fall von Max, dem Sohn eines Bruders aus dem Orient Hagen, ist exemplarisch für viele stille Schicksale. Die Bruderkette hat reagiert – international, diskret, wirksam. Wer selbst helfen möchte, kann sich über die zuständigen Logenverantwortlichen oder die Redaktion der humanität informieren.