Von Bruder Gerhard J. Schmitt, Sekretär der Johannisloge „Zur Oberbergischen Treue“ i. O. Gummersbach
Gummersbach. Es war ein leiser, fast zärtlicher Aufbruch in eine neue klangliche Zukunft, der im Frühjahr 2025 die Mauern des väterlichen Hauses eines Bruders in Schwingung versetzte: Drei Freimaurer aus Köln, Bonn und Bergisch Gladbach taten sich zusammen, um für eine vierte Loge ein lange vergessenes Lied wieder zum Klingen zu bringen. Eine musikalische Kettenarbeit im besten Sinne des Bundes.
Der Anlass: Das Logengedicht zur Johannisfeier 1912, verfasst von einem anonym gebliebenen Bruder der Johannisloge „Zur Oberbergischen Treue“ i. O. Gummersbach, sollte nicht länger in Archiven verstauben. In bewegten Versen besang der Dichter einst das Sinnbild der Loge – die Treue – als Blume zarter Bläue, die im bergischen Land dem Licht entgegenstrebt.
Bearbeitung von Markus Schönewolf
Gesungen wurde das Lied damals zur Melodie von Matthias Claudius’ „Stimmt an mit hellem hohen Klang“, vertont von Albert Methfessel (1818) – beides Brüder im Geiste und im Bund. Und auch heute wurde nicht irgendein Arrangement gewählt: Der Komponist und Pianist Markus Schönewolf sorgte für eine einfühlsame Bearbeitung, Opernsänger Ray M. Wade Jr. verlieh dem Lied seine Stimme – und Bruder Jens Schmidt-Kohl übernahm mit viel technischem Feingefühl die Tonaufnahme.
Ort des Geschehens: das leerstehende Haus seines verstorbenen Vaters – selbst Freimaurer. Ein Ort mit Geschichte, aufgeladen mit Bedeutung. Und so formulierte Bruder Jens Schmidt-Kohl jenen Satz, der wie ein Motto über diesem Projekt steht:
„Wenn in einem freimaurerischen Haus, auf der Baustelle, drei Brüder verschiedener Logen etwas für eine vierte Loge aufnehmen, ist das schon irgendwie cool.“
Künftig soll das neu vertonte Lied bei Festarbeiten der Gummersbacher Loge als verbindendes Kettenlied erklingen – als musikalischer Ausdruck jener Blume, die da wächst im bergischen Land: die Treue.
Die Loge „Zur Oberbergischen Treue“ – ein Ort mit Klang und Geschichte
Die Johannisloge „Zur Oberbergischen Treue“ im Orient Gummersbach wurde 1889 gegründet und 1906 feierlich installiert. Sie trägt die Matrikel-Nr. 575 innerhalb der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD).
Die Brüder pflegen ein traditionsreiches, offenes Logenleben und legen besonderen Wert auf kulturelle Ausdrucksformen – von Vorträgen bis hin zu Musikprojekten. Die Loge residiert in Wiehl, unweit von Gummersbach. Weitere Informationen: freimaurer-gummersbach.de
Mit der Neuvertonung ihres Logengedichts von 1912 reiht sie sich ein in eine lange freimaurerische Tradition, in der Musik Ausdruck der brüderlichen Verbindung ist – wie etwa beim Berliner Freimaurer-Zigarrenchor, den Logenlied-Editionen in Dresden oder dem Cultural Circle Bremer Logen.