Symbolische Präsenz im Tempel

Vom 10. bis 13. Juli 2025 versammelte sich die Forschungsloge Quatuor Coronati zu ihrer Jahrestagung im Deutschen Freimaurermuseum und der Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit“ in Bayreuth. Für diese besondere Gelegenheit wurden vier kunstvoll geschnitzte Kerzenleuchter aus dem Museumsarchiv hervorgeholt, die während der Tagung den Meistertisch im Tempel zierten.

Die Leuchter zeigen die sogenannten Vier Gekrönten, eine Gruppe frühchristlicher Märtyrer, deren Verehrung sich auf Heiligenlegenden des 3. und 4. Jahrhunderts stützt. Sie gelten als Schutzpatrone der Steinmetze und Bauhandwerker – ein deutlicher Bezug zur freimaurerischen Symbolwelt.

Märtyrer, Handwerker, Vorbilder

Die Quatuor Coronati – namentlich Symphorianus, Claudius, Nicostratus und Castorius – sollen laut Legende wegen ihrer Weigerung, heidnische Götterbilder zu meißeln, den Märtyrertod erlitten haben. Ihre Darstellung in Holz erinnert an ihre Standhaftigkeit im Glauben und ihre Verbundenheit mit dem Bauhandwerk. Ihr Gedenktag ist der 8. November.

Die ca. 30 Zentimeter hohen, vermutlich aus Lindenholz gefertigten Halbfiguren tragen mittelhochdeutsche Inschriften und freimaurerische Symbole. Ihre Entstehung dürfte um die Gründung der Loge Quatuor Coronati 1951 liegen.

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Symphorianus mit der Winkelwaage

Symphorianus lebte um 280 bis 304 in Sirmium (heute Serbien) und erlitt unter den Kaisern Decius, Valerian und Diokletian das Martyrium. Der Leuchter zeigt ihn mit einer Winkelwaage in der linken Hand, sein Rücken lehnt an einer Volute, auf seinem Haupt ruht der Kerzenträger.

Inschrift:
„Die Wag ist wol zu lobe / zeigt an Rechde klobe.“

Die Waage als Symbol für Gerechtigkeit und das rechte Maß wird hier sinnbildlich für eine ausgewogene, auf Wahrheit beruhende Urteilskraft gedeutet.

Nicostratus mit Zirkel und Kugel

Wenige historische Quellen berichten über Nicostratus, der als junger Christ unter Verfolgung treu zum Glauben stand. Auf dem Leuchter hält er eine Kugel in der Rechten und einen geöffneten Zirkel in der Linken.

Inschrift:
„Zirkels Kunst und Gerechtigkeit / on Gott Nimant aus Laidt.“

Ein Verweis auf die göttliche Inspiration freimaurerischer Maßstäbe, getragen von Opferbereitschaft und innerer Haltung.

Claudius mit dem Winkelhaken

Claudius von Lyon, vermutlich Bischof und Märtyrer zur Zeit Decius’, ist auf dem Leuchter in bischöflicher Gewandung mit Winkelhaken dargestellt.

Inschrift:
„Der Winkelhack hat Kunst Genug / so man braucht an Ort und Fug.“

Ein Lob der handwerklichen Fertigkeit, die sich durch präzises, situationsgerechtes Können auszeichnet – sinnbildlich für angewandte Weisheit im rechten Moment.

Castorius mit Maßstab und Buch

Auch Castorius wird als standhafter Glaubenszeuge verehrt. Der Leuchter zeigt ihn mit einem geöffneten Buch, auf das sein Finger weist, und einem Maßstab in der linken Hand.

Inschrift:
„Der Maßstab hat Kunst manifalt / de brucht man jug und alt.“

Verweist auf die universelle Gültigkeit eines gerechten Maßes – verbindlich für Jung und Alt.

Ein herzlicher Dank gilt Bruder Fabian für die sachkundige Anbringung der Leuchter am Meistertisch.


Das Deutsche Freimaurermuseum

Im Hofgarten 1
95444 Bayreuth
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