Von Bruder C.M.C.
Berlin. Am 27. April 2025 – dem Sonntag nach dem diesjährigen Jom haScho’a – versammelten sich rund 30 Brüder, Schwestern und Freunde am Mahnmal „Gleis 17“ in Berlin-Grunewald, um gemeinsam der in der Shoah ermordeten jüdischen Freimaurer zu gedenken.
Initiiert wurde das Gedenken von den fünf Berliner Johannislogen „Victoria“ Nr. 492, „Hammonia zur Treue“ Nr. 496, „Friedrich Ludwig Schröder“ Nr. 506, „Zum Spiegel der Wahrheit“ Nr. 532 und „Zu den Alten Pflichten“ Nr. 657. Sie erinnerten an die Brüder der sogenannten „Vereinigten Acht“, die sich 1933 – in einem Akt moralischer Integrität – auflösten, statt ihre Prinzipien dem nationalsozialistischen Zeitgeist anzupassen.
Die „Vereinigten Acht“: Zeugnis freimaurerischer Haltung
Am 18. Mai 1933 beschlossen acht Berliner Tochterlogen der Großen Logen von Hamburg – „Victoria“, „Germania zur Einigkeit“, „Hammonia zur Treue“, „Friedrich Ludwig Schröder“, „Humanitas“, „Pestalozzi zur Wahrheit“, „Zum Spiegel der Wahrheit“ und „Zu den Alten Pflichten“ – ihre Selbstauflösung. Sie widersetzten sich damit der ideologischen Gleichschaltung, die auch innerhalb der Freimaurerei gefordert wurde.
Gerade diese humanitären Logen der Hamburger Lehrart hatten bis zur Gründung der Symbolischen Großloge 1930 als einzige im preußisch geprägten Berlin jüdische Brüder aufgenommen – und zahlten dafür einen hohen Preis.
Rituale der Erinnerung
In kurzen Ansprachen erinnerten Vertreter der beteiligten Logen an individuelle Schicksale deportierter Brüder. Viele von ihnen wurden vom Bahnhof Grunewald – Gleis 17 – in die Ghettos und Vernichtungslager des Ostens verschleppt.
Im Zentrum des Gedenkens stand das gemeinsame Rezitieren des jüdischen Totengebets „El malei Rachamim“ – ein bewegender Ausdruck interreligiöser Solidarität.
Im Anschluss legten die Teilnehmenden Rosen an jenen Gleisschwellen nieder, die konkrete Transporte markieren, auf denen Brüder und deren Familien deportiert wurden.
Zum Abschluss formten sie eine geschwisterliche Kette der Menschenliebe – ein symbolischer Akt der Verbundenheit über Zeit, Schuld und Generationen hinweg.
Die „Vereinigten Acht“
Die acht Berliner Tochterlogen der Großen Logen von Hamburg hatten sich 1933 als „Vereinigte Acht“ zur gemeinsamen Selbstauflösung entschlossen, um sich nicht dem NS-Zeitgeist unterzuordnen. Sie gehörten zu den wenigen Logen, die jüdische Brüder aufnahmen – in einer Zeit, in der dies in Preußen kaum möglich war.
Die acht Logen waren:
- „Victoria“
- „Germania zur Einigkeit“
- „Hammonia zur Treue“
- „Friedrich Ludwig Schröder“
- „Humanitas“
- „Pestalozzi zur Wahrheit“
- „Zum Spiegel der Wahrheit“
- „Zu den Alten Pflichten“
Ihr mutiger Schritt 1933 ist bis heute ein bedeutendes Beispiel für gelebte freimaurerische Ethik – in einer Zeit, in der Haltung gefährlich war.