Von Bruder Hermann Assmann
Bremen. Wenn im Bremer Logenhaus sonst das leise Klopfen am Tempeltor ertönt, dann geht es um Ritual, Symbol und brüderliche Begegnung. Am 13. Dezember 2025 jedoch gehörte die Bühne dem Wortwitz.
Mit „Mason meets Slam Vol. 1“ öffneten die stadtbremischen humanitären Logen erstmals ihre Türen für einen Poetry Slam – und damit für eine Kunstform, die von Tempo, Haltung und fünf Minuten absoluter Aufmerksamkeit lebt.
Die Loge organisierte den Abend gemeinsam mit der Bremer Künstlerin Ela Fischer, die sich augenzwinkernd als „Großmutter des Bremer Poetry Slams“ bezeichnet. Sie kuratierte die Themen, wählte die Wortkünstlerinnen und Wortkünstler aus – und brachte damit frischen Wind zwischen Säulen und Symbole.
Wahrheit in Dezibel
Vier Slammerinnen und Slammer aus Bremen und Bremerhaven traten an: Simeon Buß, Rebecca van Smyt, Elias Naeb sowie eine noch minderjährige Schülerin aus Bremen. In zwei Runden widmeten sie sich dem Thema „Wahrheit“ – persönlich, politisch, humorvoll, schmerzhaft, poetisch. Wer weiterkam, entschied das Publikum. Gemessen wurde der Applaus mit einem „Applaudimeter“ – Zustimmung in Dezibel. Transparent, unmittelbar, fast spielerisch. Und doch ernsthaft im Kern: Denn jede Wortmeldung verlangte Aufmerksamkeit.
Simeon Buß brachte es auf den Punkt: Poetry Slam sei ein „Training für fünf Minuten durchgehende Aufmerksamkeit“. Genau diese konzentrierte Präsenz erfüllte den Raum. Man hörte zu. Wirklich. Dass die Künstler keine Freimaurer sind, erwies sich nicht als Bruch, sondern als Bereicherung. Der Abend lebte vom offenen Austausch zwischen freier Kunst und freimaurerischem Werteverständnis. Hier wurde subjektive Wahrheit erzählt – in Geschichten, Bildern und biografischen Fragmenten.
Erinnerung als Verantwortung
Am Ende gewann Elias Naeb aus Bremerhaven. Sein autobiografischer Text über das Miterleben der rechtsextremistischen Brandanschläge von Mölln – geschildert aus der Perspektive eines Kindes – berührte viele Anwesende tief. Persönliche Erinnerung wurde zur gesellschaftlichen Mahnung. Worte wurden zu Verantwortung.
Wie es die Tradition will, durfte der Gewinner den guten Zweck bestimmen, dem die Spenden des Abends zugutekommen sollten. Elias Naeb entschied sich für das Projekt „Bildung ohne Bücher“. Der von der Bremer Autorin und Aktivistin Sadaf Zahedi gegründete Verein ermöglicht geflüchteten und analphabetischen Kindern und Erwachsenen Bildung jenseits klassischer Schulbuchstrukturen – getragen von der Überzeugung, dass Bildung ein grundlegendes Menschenrecht ist.
Offener Raum für Sprache und Zuhören
Der erste „Mason meets Slam“ hat gezeigt, was geschieht, wenn Tradition auf Gegenwart trifft: Das Logenhaus wurde zum offenen Raum für Sprache, Wahrheit und Zuhören. Es war kein Abend der fertigen Antworten. Es war ein Abend der Fragen – und damit ganz im Sinne freimaurerischen Denkens. Dass dies erst der Anfang war, darin waren sich am Ende viele einig. Vol. 2? Man darf darauf hoffen.