Liebe Brüder,

so wie Rückschritt auch Fortschritt bedeuten kann, vermag selbst Verlust einen Mehrwert in sich zu tragen. Die erste Ausgabe des Jahres ist zwar kein Ersatz für das gedruckte Magazin, dafür wollen wir euch ab dem heutigen Tag mit einem freimaurerischen Doppel beschenken: der ersten rein digitalen Ausgabe auf unserem neuen Portal humanitaet.online, gepaart mit der gewohnten Magazin-Optik als PDF-Ausgabe, die weiterhin unsere geschätzte Grafikerin Christine Friedrich-Leye gestaltet.

In den vergangenen Wochen haben wir parallel an beiden Kanälen gearbeitet. Und auch wenn die Web-Version noch Ecken und Kanten hat, so hoffen wir doch, euch im Laufe der Zeit von ihren Vorzügen überzeugen zu können. Dazu bin ich gerne der Einladung nach Iserlohn gefolgt, um mich der Diskussion bei den Brüdern der Loge „Zur Deutschen Redlichkeit“ zu stellen – einer offenen, respektvollen, keinesfalls humorlosen Debatte über Nähe, Schutzraum und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter.

Diese Ausgabe spiegelt genau diese Spannweite. In Ingolstadt führt uns die Lehrlingswerkstatt „Von der Dunkelheit ins Licht“ zurück zu den Grundlagen: Werkzeug, Symbol, Charakterbildung – und zu der Erfahrung, dass Freimaurerei immer konkrete Begegnung ist. In Iserlohn wird die Frage nach der Zukunft unseres Mediums zur Frage nach unserer Identität: Wie viel Öffnung braucht Humanität, wie viel Schutzraum bewahrt ihren Kern?

Erinnerung und Gegenwart treten ebenfalls nebeneinander. Die Nachrufe mahnen still an die Vergänglichkeit – und an die bleibende Kette der Herzen. Der Ankauf eines historischen Nachlasses des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth öffnet den Blick auf eine Epoche zwischen Aufbruch und Zerstörung.

Das Interview mit Bruder Sylvio J. Godon rückt die Erfahrung von Freiheit und Unfreiheit ins Zentrum. Sein Blick auf das Polen unter Kriegsrecht erinnert uns daran, wie zerbrechlich demokratische Selbstverständlichkeiten sind. Auch unsere Buchrezensionen – von historischen Studien bis zum Roman über Würde im Angesicht der Barbarei – kreisen um dieselbe Frage: Wie bewahrt der Mensch Haltung?

Aus dem Logenleben berichten wir über ein Logen-Triple in Saarbrücken, von Inklusion als gesellschaftlicher Aufgabe in Bremen und von einem Poetry-Slam-Abend, der zeigt, dass Tradition und Gegenwart einander befruchten können. International bewegen uns der verheerende Brand des Logenhauses in Zürich, der uns zur Besonnenheit verpflichtet. Auf Reisen wie bei den Begegnungen in Bradford und Japan wird die Weltbruderkette konkret erfahrbar.

Vielleicht ist genau das der rote Faden dieser Ausgabe: Aufbruch ohne Selbstverlust. Öffnung ohne Beliebigkeit. Erinnerung ohne Erstarrung.

In herzlicher Verbundenheit
Bruder Jürgen Herda
Redaktion humanität / humanitaet.online