Von Kurt O. Wörl, AStM, Loge „Zur Wahrheit“ Nr. 582a, i. O. Nürnberg
Nürnberg. Zum dritten Mal in Folge lud die Nürnberger Logenhausverwaltung (LHV) am Samstag, den 29. März 2025, zu ihrem Jahresempfang ein. Geladen waren die Mitglieds- und Mieterlogen des Nürnberger Logenhauses sowie befreundete Logen aus der Region.
Bruder Thomas Schubert, 1. Vorsitzender der LHV, begrüßte zahlreiche Gäste – Schwestern und Brüder aus insgesamt 16 Logen – zu einem geselligen Nachmittag mit Musik, Gespräch und geistigem Impuls. Der Empfang mündete in eine stilvolle Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre mit Klaviermusik und Gesprächskultur.
Freimaurerische Heimat: Grußworte zwischen Baukunst und Beheimatung
In seinen Grußworten spann Bruder Dr. Volkmar Göbel, Zugeordneter Distriktmeister Bayern der GL AFuAMvD, den Bogen zwischen Logenhaus und Identität: Ein Gebäude sei weit mehr als bloße Hülle – es sei ein Ort der Heimat und der Resonanz.
Unter Rückgriff auf Martin Heidegger und Ernst Bloch skizzierte er das Logenhaus als „Echoraum der Brüderlichkeit“ – einen Raum, in dem das freimaurerische Ideal eine konkrete Adresse finde.
Er hob hervor, dass der Besitz eines eigenen Logenhauses sowohl ein Privileg als auch eine Verpflichtung darstelle – zur Pflege der Rituale, zur Offenheit gegenüber der Stadtgesellschaft und zur würdevollen Ausgestaltung des brüderlichen Lebens.
Festvortrag von Großredner Bruder Wolfgang Böhm: Orientierung in bewegten Zeiten
Mit Spannung erwartet wurde der Vortrag von Bruder Wolfgang Böhm, Großredner der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Unter dem Titel „Gesellschaft im Wandel – geht uns der Kompass verloren?“ analysierte er die aktuelle weltpolitische Lage und stellte ihr die Verantwortung des Einzelnen in einer freiheitlichen Gesellschaft gegenüber.
Bruder Wolfgang Böhm erinnerte daran, dass Freimaurerei keine politische Kraft sei – ihre Wirkung gehe von der Haltung jedes einzelnen Bruders aus. Freiheit sei kein Naturgesetz, sondern müsse täglich neu errungen werden. Sie fordere Mut, Engagement und Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft.
Werte leben statt resignieren
Bruder Wolfgang Böhm appellierte an alle Anwesenden, ihre freimaurerischen Ideale aktiv zu leben und sich nicht in Eskapismus zu verlieren:
„Sind wir Spielmacher – oder Spielball?“
Er rief dazu auf, das Ideal des Humanismus nicht als jenseitige Utopie zu betrachten, sondern als innere Haltung im Hier und Jetzt. Der „Tempel der Humanität“, so Bruder Wolfgang Böhm, sei kein fernes Konstrukt, sondern ein inneres Potenzial jedes Menschen. Dieses zur Entfaltung zu bringen, sei freimaurerische Aufgabe im besten Sinne.
Sein eindringlicher Appell:
„Lasst uns das Streben nach dem Besseren nie aufgeben – denn es markiert die Trennlinie zwischen Zivilisation und Rückfall.“
Bavaria Shriners: Wohltätigkeit mit einem Augenzwinkern
Einen unterhaltsamen wie informativen Akzent setzte Bruder Fabian Geyer, Meister vom Stuhl der Londoner Loge „Golden Square Lodge“ No. 2857 und Präsident des Bavaria Shrine Club (BSC). Gemeinsam mit Vizepräsident Bruder Daniel Rottinger stellte er die mildtätige Arbeit der Shriners vor – einer freimaurerischen Organisation mit Sitz in Ingolstadt, die sich insbesondere für kranke Kinder einsetzt.
Auch die Schwesterorganisation der Shriners, die „Daughters of the Nile“, fand Erwähnung. Humorvoller Höhepunkt: Die beiden Referenten betraten das Podium mit bunten Wikingerhelmen – ein symbolischer Brückenschlag zwischen Ernst und Heiterkeit im Dienste der Menschlichkeit.
Ausklang mit Tasten und Torte
Zum musikalischen Abschluss spielte Bruder Walter Molitor, bekannt unter dem Künstlernamen Miller the Killer, an seinem Keyboard. In bester Kaffeehausmanier klang der Empfang bei Kuchen und Gesprächen aus – und ließ einmal mehr erkennen, dass Freimaurerei nicht nur vom Reden lebt, sondern vom Miteinander.
Vertretene Logen beim Jahresempfang
Der Einladung zum Jahresempfang im Nürnberger Logenhaus folgten zahlreiche Logen aus der Region und darüber hinaus. Aus Nürnberg selbst waren folgende Mitglieds- und Mieterlogen vertreten:
- Loge „Joseph zur Einigkeit“
- Loge „Zur Wahrheit“
- Loge „Luginsland“
- Loge „Jakob de Molay – Südstern“
- Johannisloge „Lynkeus der Türmer“
- Johannisloge „Zur Gralsburg“
- Loge „Zu den drei Pfeilen“
- Loge „Albrecht Dürer“
- Loge „Weg zu Wahrheit und Licht“
- Frauenloge „Aurora“
- Frauenloge „Zum freien Geist“
Darüber hinaus nahmen auch Brüder und Schwestern folgender Logen außerhalb Nürnbergs teil:
- Johannisloge „Zur Sonnenrose“ im Orient Augsburg
- Loge „Zur Fränkischen Krone“ im Orient Coburg
- Loge „Zum Morgenstern“ im Orient Hof
- Loge „Zu den zwei Säulen an der festen Burg“ im Orient Würzburg
Die große Beteiligung zeigt einmal mehr: Das Nürnberger Logenhaus ist nicht nur architektonisch ein Zentrum freimaurerischen Lebens – es ist auch ein Ort lebendiger Begegnung für Logen der ganzen Region.

