Von Jürgen Herda
(unter Einbezug des Vortrags von Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim)

Lüneburg. Die Freimaurerloge „Selene zu den drey Thürmen“ in Lüneburg feierte vom 9. bis 11. Mai 2025 ihr 250-jähriges Bestehen mit einem Festwochenende voller Symbolkraft: Mit einem Festakt im historischen Fürstensaal des Rathauses, musikalischer Umrahmung und Spendenaktionen.

In seinem Festvortrag würdigte Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim nicht nur die traditionsreiche Geschichte der Lüneburger Freimaurerei – er richtete den Blick auch mutig in die Zukunft.

150 Gäste waren der Einladung der Loge in den Fürstensaal des Rathauses gefolgt – darunter Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch sowie Großmeister Bruder Stefan Kunnert von der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. In ihrer Ansprache hob Kalisch die prägende Rolle der Freimaurer für die Stadtentwicklung Lüneburgs hervor.

Für musikalischen Glanz sorgte die mehrfach preisgekrönte Violinistin Eva Christine Westphal. Und auch das freimaurerische Herz kam nicht zu kurz: Spenden an das Kinderhospiz „Löwenherz“ und die Kindertafel Lüneburg, unterstützt vom freimaurerischen Hilfswerk, zeigten gelebte Humanität im Jubiläumsjahr. „Mit diesen Spenden wollen wir unsere tiefe Verbundenheit mit der Stadt ausdrücken“, erklärte der Meister vom Stuhl, Bruder Ralf Lemke.

Festvortrag: Zwischen Klischee und Kurskorrektur

Höhepunkt des Abends war der Festvortrag von Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim, Religionshistoriker und profunder Kenner der Freimaurerei. Unter dem Titel „Freimaurerei heute – angestaubte Sekte oder zukunftsorientiertes Programm?“ wagte er einen kritischen wie zukunftsgewandten Blick auf die Bruderschaft.

Er eröffnete mit einem selbstironischen Hinweis auf die doppelte Gefahr: Wer Freimaurerei nur lobt, wird belanglos – wer sie zu scharf kritisiert, stellt ihre Grundidee infrage. Sein Ausweg: das scheinbar Altmodische als Ressource für das Kommende begreifen.

Zwischen Ritual und Relevanz

Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim plädierte für eine Wiederentdeckung des Rituals als Raum des Respekts und der Besinnung in einer rastlosen Gegenwart. Die freimaurerischen Zeichen seien kein Ausdruck von Geheimniskrämerei, sondern ein Schutzraum der Reflexion. Das Ritual – nicht als dogmatische Lehre, sondern als Einladung zur Sinnsuche ohne Zwang – ermögliche dialogische Reifung.

Freimaurerei, so Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim, könne als säkular-humanistisches Ethikprogramm verstanden werden – mit dem Potenzial, Dialog zwischen Religionen, Kulturen und politischen Lagern zu stiften. Gerade in Krisenzeiten könne sie ein friedvoller Ort des Austauschs sein.

Weltverschwörung, Frauenfrage und Formbewusstsein

In weiteren Abschnitten seines Vortrags nahm Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim die gängigen Vorwürfe gegenüber der Freimaurerei auseinander:

  • Die „Weltverschwörung“ sei ein wucherndes Narrativ seit der Französischen Revolution, das tatsächliche freimaurerische Netzwerke zwar karikiert, aber auf reale Einflussformen zielt – etwa über gemeinsame Rituale, Werte und Unterstützungsstrukturen.
  • Die „Frauenfrage“ beschrieb er als überfällig. Zwar bleibe die reguläre Freimaurerei an männlicher Exklusivität fest, doch zeigten Frauen-Großlogen und gemischte Systeme eindrucksvoll, dass freimaurerische Arbeit auch jenseits überkommener Rollenzuweisungen fruchtbar sei.
  • Auch das festliche Formbewusstsein der Freimaurer – vom schwarzen Anzug über die symbolische Kleidung bis zum rituellen Rahmen – verteidigte er als Ausdruck von Würde, Ernsthaftigkeit und Gleichheit im besten Sinne.

Ein Vierteljahrtausend – und kein bisschen müde

Zum Schluss erinnerte Bruder Prof. Dr. Martin Papenheim an die Gründung der Lüneburger Loge „Zur goldenen Traube“ im Jahr 1775 – durch 13 Männer, darunter zehn Offiziere, in einer Gastwirtschaft am Marktplatz.

Seitdem habe sich die Lüneburger Freimaurerei trotz Verboten und Verfolgung bewährt, über Generationen hinweg zur Stadtgesellschaft beigetragen und sich immer wieder neu erfunden.

Der Appell am Ende seines Vortrags lautete: „Lasst uns das Bewahrenswerte bewahren – und das Änderungsbedürftige mutig erneuern.“

Meister vom Stuhl Ralf Lemke überreicht Spendenschecks an das Kinderhospiz und die Kindertafel.mehr anzeigen
Prof. Dr. Martin Papenheim hält den Festvortragmehr anzeigen