Von Bruder Dr. Ulrich Cichy / Überarbeitete Kurzfassung von Jürgen Herda

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ – Diese Worte, Bruder Oskar Wilde zugeschrieben, gaben den Ton an für eine freimaurerische Standortbestimmung inmitten globaler Verwerfungen.

Rückschau und Realitätsschock

Als die Brüder der Weseler Loge im Juni 2025 ihr Vierteljahrtausend feierten, war wenig übrig vom optimistischen „Ende der Geschichte“, das Francis Fukuyama einst heraufbeschwor. Im Gegenteil: autoritäre Rückfälle, Demokratiezerfall, Kriege, Klimakrise und disruptive Technologien prägen eine Epoche tiefgreifender Unsicherheit.

Der Tempel der Humanität wirkt da fast wie ein trotzig aufgerichteter Leuchtturm im Sturm.

250 Jahre – ein Fundament im Fluss der Zeit

Gegründet in den Umbrüchen des 18. Jahrhunderts – im Jahr des Ausbruchs des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs – zählt die Weseler Loge zu den ältesten in Nordrhein-Westfalen. Sie überstand Besetzungen, Verfolgung im Dritten Reich, gesellschaftliche Wandlungen und ist bis heute ein stabiler Anker im zivilgesellschaftlichen Gefüge der Region.

Tradition mit Haltung

Was bleibt? Was trägt? Was müssen wir erneuern? Die Antwort liegt in der bewussten Rückbesinnung auf freimaurerische Grundwerte: Brüderlichkeit als gelebte Toleranz. Aufklärung als Denkhaltung jenseits des Populismus. Verantwortung statt Belehrung.

Und ein entschiedenes „Nein“ zur politischen Vereinnahmung: Keine Partei, aber klare Haltung gegenüber Unrecht, Elend und Zynismus.

Der Auftrag an die Gegenwart

In Zeiten wachsender Antagonismen sieht Bruder Ulrich Cichy die Logen vor der Aufgabe, als ethisch-philosophischer Resonanzraum für Mitmenschlichkeit, Resilienz und demokratische Kultur zu wirken – nicht als Institution der Öffentlichkeit, sondern als Impulsgeber im Alltag jedes Bruders.

Wer in sich gefestigt ist, kann auch im Sturm standhalten.

Ausblick mit Demut und Zuversicht

Am Ende klingt Bruder Ulrich Cichys Rede wie eine zeitgemäße Aktualisierung des maurerischen Imperativs: „Bewährt Euch!“ Wenn spätere Generationen zurückblicken, mögen sie sagen: Diese Brüder hatten es nicht leicht – aber sie haben sich bemüht, der Welt einen besseren Kurs zu weisen.


250 Jahre Loge „Zum goldenen Schwerdt“

  • Gegründet: 1775 in Wesel, Nachfolgerin der 1744 gegründeten Loge „Zu den drei ehernen Säulen“
  • Historische Besonderheit: Ältester Logenstandort in NRW, gegründet von Offizieren der Garnison
  • Zäsuren: Auflösung während der napoleonischen Besatzung, Verbot in der NS-Zeit
  • Wiederbegründung: Nach 1945 als ältester Verein der Stadt wieder aktiv
  • Freimaurerisches Profil: Traditionell stark im Militär verankert, heute pluralistisch und zivilgesellschaftlich engagiert
  • Jubiläumsjahr: 2025 – Festakt mit Vortrag von Bruder Dr. Ulrich Cichy