Anfang des Jahres kontaktierte Prof. Dr. Helmut Reinalter das Freimaurermuseum mit der Anfrage dort seine neueste Publikation vorzustellen. Dem kam der Leiter Thad Peterson gerne nach und so fand am 18. Juni 2026 die Lesung Reinalters aus seinem aktuellen Werk „Der Orden der Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa“ in den Räumlichkeiten der Kunstausstellung statt.

Cover des neuesten Werkes von Prof. Dr. Helmut Reinalter, erschienen im Schwab Verlag. Foto: Freimaurermuseum

Cover des neuesten Werkes von Prof. Dr. Helmut Reinalter, erschienen im Schwab Verlag. Foto: Freimaurermuseum

Br. Helmut Reinalter lehrte an der Universität Innsbruck Geschichte der Neuzeit und politische Philosophie, ist inzwischen emeritiert und leitet heute das Forschungsinstitut für Ideengeschichte (IfI). Von 1995 bis 2010 war er wissenschaftlicher Leiter der Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich, ist seit 1998 Mitglied des Club of Rome und Präsident der Initiative Weltethos Österreich. Kerngebiete seiner Forschung liegen in der politischen Philosophie, der Aufklärungs- und Ideengeschichte der Neuzeit, Sozial- und Mentalitätsgeschichte, Theoretische und Praktische Ethik, Demokratieforschung, Grundlagen und Theorien der Geistes- und Kulturwissenschaften sowie in der Freimaurerforschung.

Seine aktuelle Publikation ist eine Aktenedition und das Resultat eines vierjährigen Forschungsprojektes des privaten Forschungsinstituts für Ideengeschichte und des Instituts für Geisteswissenschaften und Ethnologie der Universität Innsbruck. Es wurde maßgeblich von der Fritz Thyssen Stiftung Köln sowie der Loge Modestia cum Libertate in Zürich mitfinanziert. Unter der Federführung von Helmut Reinalter haben drei weitere verdiente Historiker der Freimaurerforschung Reinhard Markner, Karlheinz Gerlach und Florian Maurice sich in diesem Projekt eingehend mit dem Hochgradsystem der Asiatischen Brüder befasst, einem bis dato noch wenig erforschten Orden, dazu in zahlreichen europäischen Staatsbibliotheken und Archiven recherchiert, u.a. im Deutschen Freimaurermuseum.

Einblick ins Werk. Foto: Freimaurermuseum

Einblick ins Werk. Foto: Freimaurermuseum

Der Orden wurde 1782 von Freiherr Hans Heinrich von Ecker und Eckhoffen (1750-1790), der Freimaurer und Rosenkreuzer war, gegründet. Von Amts wegen war er königlich-polnischer Geheimer Rat und herzoglich braunschweigischer Landdrost. Die Ordensstiftung fand im Jahr des Wilhelmsbader Konvents statt und verbreitete sich besonders in Österreich, Norddeutschland, Dänemark sowie Schweden. Der Band enthält Zeugnisse zur Ordensgeschichte, Organisationsstruktur, zum Gradsystem, Kontroversen um jüdische Mitglieder und eine ausgewählte Korrespondenz.

Die Geschichte dieses Ordens, die im Gründungsjahr zugleich ihren Höhepunkt erfuhr, war ein Teil der Emanzipation der Juden im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert, was bedeutete, dass Juden und Christen zugleich aufgenommen wurden, egal welchen Standes oder Berufes, nur mussten sie angesehen und vom Grad Meister oder Ritter sein. Reinalter ging im Rahmen seiner Lesung auf die Geschichte der Asiatischen Brüder, von deren Gründung bis zu ihrem Ende ein und beschrieb das von ihnen entwickelte Ordenssystem. Auch wurde die Gegnerschaft zu den Gold- und Rosenkreuzern aufgezeigt, dem Orden von dem sie sich abgespalten hatten, da sie Gegner der Aufklärung waren obwohl sich der Ordensgründer stets zur mystischen Freimaurerei hingezogen fühlte. Der neue Freimaurerbund war toleranter Juden gegenüber und so fanden sie Eingang in die Gemeinschaft, was ermöglicht wurde durch die Aufnahme von kabbalistischen Elementen im Ritual und der Befreiung von kirchlich christlichen Elementen. Unter Kaiser Franz II. kam der Niedergang, nachdem er 1795 die Freimaurerei verboten hatte. Trotzdem hat die Geheimgesellschaft weitergewirkt bis zum Tod des Gründers 1790. Danach hat sie organisatorisch nicht mehr überlebt und es gab auch keine Nachfolgeorganisationen.

Einblick ins Werk. Foto: Freimaurermuseum

Einblick ins Werk. Foto: Freimaurermuseum

Allerdings wurden Teile der Lehre von späteren Geheimgesellschaften übernommen. Weiterhin legte Reinalter dar, wie schwierig der Übergangsprozess vom Absolutismus hin zur späten Aufklärung war, mit denen Gründer und Mitglieder solcher Ordensgemeinschaften zu kämpfen hatten.

Das großformatige, 329-seitige Werk Der Orden der Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa enthält zahlreiche Abbildungen und ist im Schwabe Verlag erschienen.

Einige Exemplare liegen ebenfalls im Freimaurermuseum aus, sind allesamt handsigniert von Reinalter und vor Ort oder per Versand (portofrei!) für 82 Euro erhältlich. Ein großes Dankeschön gebührt Br. Helmut Reinalter für die spannende und aufschlussreiche Lesung.